Nichts fällt einfach so vom Himmel – oder doch? Wenn die Zukunft immer ein Resultat ist, dann sind ihre Spuren schon jetzt erkennbar. Man muss sie nur richtig deuten.
Während ich diese Zeilen Revue passieren lassen, denke ich an meinen alltäglichen Spaziergang. Sehe ich dort nicht jeden Tag eher die Spuren der Vergangenheit? Müll der achtlos auf den Weg geworfen wurde. Der schwarze Fleck auf der Wiese. Der frische Baumstumpf. Alles Spuren der Vergangenheit. Während ich mir diese Spuren so ansehe, denke ich: wahrnehmen tue ich das Jetzt, die Gegenwart. Wie deute ich aber jetzt diese Spuren in Bezug auf die Spuren der späteren Tage? Kann ich aus den Spuren der Vergangenheit und der Gegenwart das Morgen herauslesen? Und wie sollte ich sie „richtig“ deuten? Ist das überhaupt möglich? Wenn der Müll nicht fortgeräumt wird, bleibt er dort liegen und da es sich um eine Blechdose handelt, wird sie wohl mit den Jahren verrotten. Wenn nicht wieder ein Lagerfeuer auf dem gleichen Fleck gemacht wird, wird in den nächsten Wochen und Monaten wieder Gras über die Sache gewachsen sein. Wenn die Arbeiter den Baumstumpf so stehen lassen, wird er so nach und nach vermodern. Moos und Tiere werden dort eine neue Heimat finden. Mir fällt auf, dass ich bei den Spuren in die Zukunft mit einem wenn beginnen muss. Was war, weiß ich, was heute ist, sehe ich, aber was in der Zukunft liegt, hängt davon ab, wie die einzelnen Menschen handeln werden. Denn es könnte ja auch sein, dass der Müll aufgesammelt wird. Dass den Menschen, die gestern hier ein Lagerfeuer veranstaltet haben der Platz so gut gefiel, dass sie wiederkommen und anderen von ihrem Vergnügen erzählen. Die finden diese Idee toll und veranstalten hier ebenfalls ein Lagerfeuer. Es kommen immer mehr Menschen. Die Stadt, die für diesen Teil des Weges zuständig ist, sieht das und baut, um ausbreitende Feuer zu verhindern, feste Grillplätze. Klohäuschen werden aufgebaut. Mittlerweile gibt es Wartelisten, weil so viele Leute an diesen Platz wollen. Ich kann gar nicht aufhören, mir auszumalen, wie kommerziell der Platz auf einmal werden könnte. Dabei finde ich diese Vorstellung noch nicht einmal besonders schön. Ich liebe die Ruhe und weiche dem ganzen Kommerz gerne aus, wo ich nur kann. Außerdem glaube ich, dass die Menschen, die gestern hier ein Lagerfeuer gemacht haben, die ersten sein werden, die sich dann einen neuen Platz suchen. Wieso fällt mir diese Vision überhaupt ein? Sie gefällt mir nicht und trotzdem ist meine Vorstellung in diese Richtung regelrecht losgalloppiert. Ich komme zu dem Schluss, dass meine Zukunftsgedanken wohl sehr viel mit meinen Erfahrungen aus der Vergangenheit zu tun haben. War es denn bis jetzt nicht immer so? Irgendjemand hat irgendetwas entdeckt und alle sind auf diesen Zug aufgesprungen. Dazu fallen mir die unzähligen Geheimtipps bei den Urlaubsreisen ein, die später zu wahren Pilgerorten werden. Ich schaue auf den Müll, die kalte Lagerstätte, auf den abgesägten Baum. Vielleicht sollte ich mir eine ganz andere Frage stellen. Welche Spuren will ich hinterlassen, damit sie nicht in eine Zukunft deuten, die ich gar nicht haben will?
