Nachdem jetzt über eine Woche um ist, merke ich doch, wie schwer es mir fällt diese Diziplin in den restlichen Alltag zu integrieren. Ich glaube, dass ich mehr dem Cinderella-Komplex erlegen bin, als ich ursprünglich dachte. Ich meine damit, dass ich darauf warte, dass mich jemand von der Last der alltäglichen Arbeit befreit. Dass ich nicht mehr putzen, kochen, waschen, bügeln und einkaufen muss.
Meine Freundin meint, dass wenn ich in den alten Frauengemeinschaften leben würde, ich diese Arbeit nicht alleine machen würde. Vielleicht hätte ich ja dort einen Status erreicht, wo dies gar nicht mehr meine Aufgabe wäre und es mir aus diesem Grund so schwer fällt, diese Aufgaben weiterhin so bewältigen. Doch ich lebe nicht in einer Frauengesellschaft. Ich lebe mit meinem Mann und meinem jüngeren Sohn zusammen. Der ältere ist diesen Sommer in seine eigene Wohnung gezogen. Ich meine, was für ein Unterschied es ist, nur unter Frauen zu leben, habe ich schon öfter erfahren und zwar immer dann, wenn ich mit meiner Mutter alleine auf Föhr bin, weil sie auf das Haus ihrer Schwester aufpasst und wenn meine Tante dann auch noch anwesend ist, dann ist die Ent-Lastung immer deutlicher zu spüren. Alle Arbeiten werden aufgeteilt, es gibt dauernd Unterhaltung und dadurch geht auch alles leichter von der Hand.
Was ich mit dem Cinderella-Komplex und der dazugehörigen Konditionierung meine ist die Tatsache, dass diese "Ent-Lastung des Lebens" auf den Mann verlagert wird und ich lange Zeit der Überzeugung war, er müsste mich von der alltäglichen Last erretten, so wie es ja auch im Märchen dargestellt wird. Da kommt der Prinz und errettet das Mädchen aus der Dienstmagdstellung in die sie ja auch noch durch eine reine Frauengemeinschaft geraten ist.
Somit ist die Gehirnwäsche komplett. Die Frauengemeinschaften werden als übel dargestellt und Rettung ist nur durch den Mann gegeben.
Dieser Konditionierung bin ich erlegen und zwar voll und ganz. Daran will ich was ändern.
